Blogsearch

Egosurf

qrcode

Körpergewicht bei Flight Attendants

June 4th, 2007 by G!

Wer beim Lesen des Titels dachte, dass ich mich über die Körperfülle von Cabin Crews äussere, der irrt. Im Gegenteil, hier handelt es sich um ein hoch offizielles, juristisch-aviatisches Posting. …Ich spare mir jeden juristischen und persönlichen Kommentar, aber lest selbst:

Übergewichtige indische Stewardessen dürfen nicht fliegen

Flugbegleiterinnen klagten, doch das Höchstgericht vertrat die Meinung, dass Übergewicht die Flugsicherheit reduziere.

Neu Delhi – Übergewichtige Stewardessen der staatlichen Fluglinie Indian Airlines müssen auch künftig am Boden bleiben. Eine Gruppe Flugbegleiterinnen scheiterte nach einem Bericht der "Hindustan Times" vom Freitag mit ihrer Klage gegen eine entsprechende Dienstanweisung.

"Es ist nichts verkehrt daran, Flugbegleiterinnen aufzufordern, ihren Bauch zu bekämpfen, ihren Körperumfang zu kontrollieren und ihr Gewicht auf einem erstrebenswerten Niveau zu halten"
, sagte Richter Rekha Sharma nach Angaben des Blattes. Die klagenden Stewardessen hatten die Anweisung von Indian Airlines vom vergangenen Jahr als "erniedrigend" kritisiert.

Die Fluglinie versucht, sich auf dem zunehmend umkämpften Markt ein frischeres und jüngeres Image zu geben. Die zahlreichen privaten Airlines in Indien haben dem staatlichen Konkurrenten Marktanteile abgenommen. (APA/dpa)

[Quelle: derStandard.at vom 01.06.2007]

Be the first to like.

Posted in in the air, off/duty, on the ground | 11 Comments »

Red Bull Air Race

May 31st, 2007 by G!

Inzwischen dürfte sie jeder einigermassen Aviatikbegeisterte kennen: die Rallyes der Lüfte, die RED BULL AIR RACES. Am 14./15. Juli 2007 findet das 5. Rennen der Red Bull Air Race World Series in Interlaken (CH) statt, Tickets gibts hier. Falls sie jemand noc nicht kennt: Bei diesen Rennen fliegen einige der besten und wahnsinnigsten tollkühnsten Akrobatikpiloten in Motoren mit Flügeln vor einer sagenhaften Kulisse mit bis zu 400 km/h auf wenigen Metern über dem Boden zwischen luftgefüllten Stoffsäulen einen Parcour ab und erreichen dabei bis zu 10G. In 6 Wörter zusammengefasst: "There is no room for error."

Auch wenn einige der Air Race Piloten aktive/ehemalige Linienpiloten sind, ist diese Art der Fliegerei natürlich nicht einmal bei akuter Hypoxie mit derjenigen von uns zu vergleichen.

Dennoch, es gibt auch eine Linienpilotenversion: Bei den derzeitigen Wetterbedinungen in Europa erinnert ein Blick auf das Navigation Display – zumindest mit etwas Alkohol Kreativität – an einen Parcour eines Red Bull Air Races (vgl. die Gallerie). Es gibt Hindernisse, die nicht berührt werden dürfen und in einer gewissen Art [will heissen: safe/sicher] auf dem kürzesten und schnellsten Weg zu umfliegen sind. Obige Beschreibung müsste dann so heissen: Bei diesen Wetterlagen fliegen Linienpiloten in Bussen mit Düsentriebwerken über sagenhaften Gegenden mit bis zu Mach 0.80 auf 39’000 Fuss zwischen energiegeladenen, über 10’000m hohen Gewitterwolken ihre Passagiere mit möglichst nur 1G von A nach B, damit diese noch in den Genuss des Bordservices kommen. Das tönt zwar wesentlich harmloser und unspektakulärer, aber auch gilt in gewisser Weise: "There is no room for error."

Mindestens einen Unterschied gibt’s allerdings: Während bei einer Berührung beim Red Bull Air Race die Säule sofort zerreisst, kann ein Durchfliegen gewisser Gewitterwolken das Passagierflugzeug zerreissen…

Erklärungen zur Gallerie für Bodenständige:

– die farbigen Flecken (grün, gelb, rot, violett) zeigen Gewitterzellen (von grün="harmloses schütteln" bis violett = "Gefahr, absolutes no go")
– der gelbe Flieger unten in der Mitte ist unser Flugzeug
– die grüne – gestrichtelte – Linie ist unser geplanter Flugweg (wie wir ohne Gewitter fliegen würden)
– die grüne – durchgezogene – Linie ist der aktuelle Flugweg
– die "Diamanten" mit Zahlen (zB. Bild 2) sind andere Flugzeuge (die Zahlen geben die relative Höhe im Vergleich zu uns an)
– die blauen Zahlen an den Enden der Halbkreise sind Distanzangaben (Nautische Meilen vom Flugzeug aus gemessen); sie geben einen Eindruck von der Grössenordnung dieser Zellen, zT. über 100km!
– die Flughöhe

Wenn man betrachtet, wie nahe gewisse Flugzeuge an den Zellen vorbei fliegen, fällt auf, dass nicht alle Piloten dasselbe Verständnis für diese Verhältnisse haben…

[myginpage=airrace]

1 person likes this post.

Posted in impressions, in the air | 10 Comments »

Journalistische Inkompetenz I

May 28th, 2007 by G!

Aus aktuellem Anlass ein Beispiel journalistischer Inkompetenz bei aviatischen Themen. Im Sonntagsblick vom 27. Mai 2007 waren auf Deutsch übersetzte Ausschnitte des Funkverkehrs von SWISSAIR 111 zu lesen. Dabei hiess es:

 

Nun, es braucht keinen Linienpiloten um zu wissen, dass "schwer" (original: "heavy") nicht das Geringste mit der Treibstoffmenge an Bord zu tun hat. Dann wäre wohl "full" treffender und es fragt sich, wie das Callsign mit halbvollem oder nahezu leerem Tank wäre…

Ich schätze, dass die Bedeutung des Callsign-Suffix Heavy in den ersten 5 Stunden der Privatpiloten Funkausbildung erklärt wird. Damit wäre sichergestellt, dass sogar der selbsternannte Schweizer Aviatikexperte diese Frage (für einmal: richtig!) beantworten könnte und ich bin mir sicher, dass er dies auch noch so gerne tun würde. Sollte dieser – unvorstellbar – für eine Auskunft nicht verfügbar sein, würde ich als letzte Quelle der Weisheit den absoluten Geheimtipp empfehlen: googeln (sorry, juristisch korrekt: mit Google suchen; für Blick Journalisten: www.google.com) Die Suchbegriffe >callsign "heavy"< ergeben doch 235’000 Hits und – oh Wunder – schon der erste Treffer ergibt die Lösung und auch in Wikipedia wäre man fündig geworden!

Heavy bezeichnet ein Flugzeug, dessen zulässiges Gesamtgewicht mehr als 136 Tonnen beträgt. (Medium: 7-136 t und Light < 7 t). Diese Einteilung wird für die Separation zwischen den Flugzeugen benötigt, da die Gefahr von aerodynamischen Turbulenzen ("Wake Turbulence", "Wirbelschleppen") mit zunehmendem Gewicht steigt. Mehr zu diesem Thema bei Wikipedia.

Soviel zu journalistischer Sorgfalt und Professionalität der meistgelesenen Schweizer Zeitung.

Folgende Frage sei erlaubt: Wenn bei dieser einfachen, leicht zu recherchierenden Thematik, schon so etwas Falsches geschrieben wird, frage ich mich, was mir Jounalisten bei komplexen Themen, bei welchen ich kein Hintergrundwissen habe, aufbinden [wollen]?!

Der Original-Funkverkehr von SWISSAIR 111 kann – von Blick unverfälscht – hier angehört werden.

Hinweis in eigener Sache: Ich werde – wie der Titel schon vorwegnimmt – bei weiteren journalistischen Ausrutschern diese kommentieren und richtigstellen. Dasselbe gilt bei sogenannten "Expertenaussagen". Ein Beitrag zu Letzterem ist bereits angedacht. Tips & Hinweise zu solchen nehme ich gerne (per Mail oder Kommentar) entgegen.

4 people like this post.

Posted in in the air, master warning | 13 Comments »

« Previous Entries Next Entries »