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Traumjob

August 30th, 2012 by G!

Schon klar, dass ich in diesem Monat nicht zum Bloggen kam. Schliesslich zeigte sich bereits gut eine Woche vor meinem Simulatoreinsatz, dass meine hier geäusserten Befürchtungen nicht grundlos waren, wie hier bei meinem Peiniger Instruktor nachzulesen war:

“Anlass zu weiteren Spekulationen gibt die Information T.M. habe Copilot S.P. aufgefordert seinen Kollegen G! anlässlich dessen in Kürze bevorstehenden Simulator-Refreshers einmal so richtig hart an die Kandare zu nehmen.”

Schon klar gab es diese unheilige Allianz, denn bekanntlich habe ich das letzte Mal beide “besiegt”, wie hier nachzulesen ist (inkl. Kommentare…denn sie musste mir Zusatzmeilen geben, die ich nicht brauchte 😀 – irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich diesen Satz noch bereuen werde… :-/)

Schon klar, vergrub ich mich in die virtuellen Bücher, um mir keine Blösse zu geben. Machtlos gegen diese Verschwörungen wälzte und klickte ich stundenlang virtuelle XMLs, PDFs und JPGs. Dies alles im Wissen, dass mich Herr Skypointer, der mit 14-Jahren Instruktortätigkeit mehr als doppelt soviele Jahre in seinem Instruktionsrucksack hat, als ich gewöhnliche Streckenerfahrung, jederzeit zur Schnecke machen kann. Das liess er auch sehr subtil offen durchblicken:

“Wird G! bei seinem bevorstehenden Simulator Refresher vom Instruktor S.P. zur Schnecke gemacht oder besteht er problemlos durch Bestechung mit Schoggi?”

Schon klar waren meine Ferien, die natürlich (einen herzlichen Dank an unsere Planungsstelle!) genau vor dem zweitägigen Simulatoreinsatz lagen, nicht so erholsam, wie ich mir das erhofft und vorgestellt hatte. T.M., Schoggi, Schnecken, S.P., Simulator…wenn das nur gut kommt.

Schon klar überlegte ich, ob Schoggi eine Lösung wäre: Aber es nützt nix, wenn ich im Briefing die Schoggi zum Verzehr abliefere, er mich wenige Stunden später aber dennoch peinigt. Nachher geben bringt auch nix, Schoggi macht das Geschehene auch nicht rückgängig. … und schliesslich wollte ich die ominöse Schoggiconnection nicht noch um eine Geschichte reicher machen. Darum: keine Schoggi, dafür “Grind ache u seckle” [Deutsch: Kopf runter und rennen].

Schon klar kam es, wie es kommen musste: Skypointer nahm uns alle Bildschirme weg, so dass ich den ILS-Anflug nur mit den Ersatzinstrumenten anfliegen musste. Schön und gut, wären diese nicht

  • auf der Seite des Captains,
  • nur ca. einen Drittel so gross wie unsere üblichen Instrumente,
  • anders angeordnet,
  • “unvollständig” (da sie nicht überdieselben Angaben verfügen).

Selbst mit gültigem Augentest musste ich regelmässig nach links liegen, um die Werte genau ablesen zu können. Schliesslich sollten wir am Ende kurz vor der Piste sein, was einiges an Genauigkeit verlangt. Wir (im Cockpit arbeitet man als Team) haben es geschafft (und Skypointer gab natürlich wertvolle Tips & Tricks). Stress, der so nicht sein hätte müssen oder: gopf, hätte ich doch Schoggi mitgebracht.

Aber zurück zum Titel, denn eigentlich wollte ich ja – dem Titel des Beitrages entsprechend – schreiben, warum Pilot (auch mit solchen Simulatorsessions ;-)) immer noch (m)ein Traumjob ist. Mit einer frisch ausgestellten Lizenz machte ich mich nämlich voller Freude wieder auf, um nach New York JFK zu fliegen. Meine Freude muss durch die geschlossene Türe hindurch ausgestrahlt haben, denn ich bekam Post von einer Passagierin:

 

Getrübt wurde die Freude an dieser Liebserklärung einzig dadurch, dass mein Kollege ebenfalls einen “Schatzbrief” mit identischem Wortlaut erhielt :-D.

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Unterhaltung an Bord

August 7th, 2012 by G!

Das in der Singapore Airlines A380 angebotene Doppelbett darf bekanntlich nicht für eine Aufnahmehandlung in den Mile High Club benutzt werden. Weil sich die meisten Passagiere sowieso keinen Flug in ebendiesen Betten leisten können, und weil in gewissen Bereichen die Elektronik den Menschen ersetzen kann, haben Airlines die Bordunterhaltungssysteme auch den Economy-Passagieren zugänglich gemacht :-). Wer auf einem Langstreckenflug nicht schlafen kann, weiss diese Erfindung zu schätzen. Umso ärgerlicher ist es für den betroffenen Passagier, wenn “sein” System (oder Bildschirm) nicht funktioniert. Einzelne Passagiere mit solchen Problem(chen) können unsere Kabinenengel problemlos “trösten”. Es wird aber sehr viel schwieriger, wenn das ganze Unterhaltungssystem abstürtzt. Leider kommt auch das vor.

Ich habe von einem Leser ein Bild bekommen, wie es in einem heutigen Airliner aussehen kann, wenn wenn das Unterhaltungsystem abstürzt. Dem älteren versierten Computerbenutzer erklärt es sich von selbst, woran das liegt – Windows 3.1 (zur Info für alle, denen Windows 3.1 nichts sagt: es wurde am 1. März 1992 veröffentlicht!) :-):

In Zukunft ist damit aber Schluss: Gemäss einem Artikel auf extremtech.com bietet Boeing in der 787 zwei verschiedene Unterhaltungssysteme an: eines von Thales und eines von Panasonic. Damit Abstürze der Vergangenheit angehören, werden die Systeme beider Hersteller nicht mehr durch Windows (3.1…), sondern durch das weltweit verbreitetste Smartphone-Betriebsystem Google Android ersetzt, was mich als bekennenden Android Benutzer der ersten eineinhalbsten Stunde natürlich ausserordentlich freut. Weitere sehr interessante technische Details zu den Systemen (Grösse der verwendeten SSD, Prozessoren usw.) im erwähnten extremetech.com-Artikel oder direkt beim Hersteller Thales. Erwähnenswert ist, dass Thales durch das neue System eine Gewichtsersparnis von 20-30% prognostiziert, was wiederum die (Treibstoff-)Kosten der Airlines senkt.

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Vergesslichkeit zahlt sich (manchmal) aus

August 1st, 2012 by G!

Strenger Einsatzplan? Resignation? Jetlag? Alter? Dummheit? Keine Ahnung warum, aber irgendwann muss es passieren. Schon aus statistischen Gründen. Nach über fünf Jahren Swiss oder 64 Einsatzplänen passierte es mir. Ich habe den wichtigsten aller Termine verpasst. Nein, kein Hochzeitstag, kein Geburtstag, kein Jubiläum. Den heiligsten aller monatlichen Termine. WirklichTheoretisch wichtiger als alles: Biddingeingabe. Oder verständlich: Ich habe vergessen meine Wünsche für den Augusteinsatzplan einzugeben!

Ich weilte im Muscat im Hotelzimmer und versuchte um 1600 Uhr Lokalzeit vorzuschlafen. Weil dann, erst recht in der Schweiz, keine Schlafenszeit  ist, gehen einem die einen oder anderen Gedanken durch den Kopf. Irgendwann dachte ich, dass ich noch meine Wünsche für den August eingeben müsste. Aus den hinteresten Windungen kam langsam aber stetig eine Unsicherheit: moooooment, war nicht gestern der heilige Tag des Wünschens, der 15. des Vormonats – DIE DEADLINE? Der Schlaf muss warten, ein Blick auf mein Google Nexus S bestätigt mir meine Befürchtung: verpasst. Um einen Tag. Schnell der Gedanke an den “Rettungsanker”: habe ich den “Lifestyle” übernommen? Das sind Wünsche die man – eben als “Lifestyle” – abspeichern kann und bei einem neuen Plan einfach wieder importiert werden können. Die Chance sie zu bekommen strebt (trotz dem verheissungsvollen Namen) auch gegen null. Oder habe ich nach erscheinen des letzten Planes schon meine Wünsche eingegeben? Keine Ahnung ob ich das gemacht habe, obwohl ich am zehnten noch im System eingeloggt habe um zu schauen, was aus meinen seit neun Monaten eingegebenen Ferien wurdewerden könnte.

Ich versuche mich zu beruhigen, denn eigentlich sind das alles Phantomschmerzengedanken: bekanntlich haben unsere Wünsche mit dem Resultat in etwa soviel zu tun wie Mike Shiva mit dem Vorhersagen der Zukunft. Ausserdem hat mein Monat diverse “Anker” drin: Der Airbus 340 Simulator Check steht an, damit sind zwei Tage verbucht. Mein Jokerwunsch nach HKG war in der Vorhersage bestätigt, die vier Ferientage zwar gesetzt, aber “unbestätigt”. Sie können – wie alles was ich jetzt schon sehe – ändern. Ende Monat fängt mein Reservemonat an, davor muss ich mindestens einen, realistisch eher zwei, drei oder vier Tage frei haben. Der anfängliche Schock verfliegt einer nüchterne Analyse: Was solls, lieber nix wünschen und vielleicht etwas bekommen, als etwas wünschen und sich vergebens freuen. Zweckoptimismus.

Ich hatte meinen Lifestyle tatsächlich importiert: Nordamerika und Flüge nach SFO. Aber es kam, wie es kommen musste: wie erwartet  darf ich im August in den A340-Simulator (an einem andern Tag als zuvor geplant, dafür wird mich Kollege skypointer beüben ausbilden) und zum ersten Mal on duty nach Hong Kong. Ausserdem habe ich meine Ferien – mit der Planpublikation (!)- bestätigt bekommen und Ende Monat fängt der Reservemonat an. Insofern keine Überraschung(en) – ausser der Ferienbestätigung. Bleiben noch zwei Flüge zu vergeben: und siehe da es geht zwei Mal nach – JFK. Den genannten Planungsankern sei dank, es blieb für nichts mehr anderes Platz. Mir gefällts. Monateweise gewünscht und nicht bekommen (zum Beispiel damals), dafür jetzt aus dem nichts, dafür zwei Mal. Mein erster Flug auf dem linken Sitz darf damit warten.

Ach ja: 100% Satisfaction. 😀 Den Plan gibts wie immer hier.

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